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Wir leben in einer Welt!
Die Terroranschläge vom 11. September haben unser Bild von der Welt verändert.
Haben wir uns bis dahin vielleicht noch der Illusion hingegeben,
dass es so etwas wie eine erste, eine zweite, eine dritte, gar eine
vierte Welt gäbe, so ist diese Annahme endgültig überholt.
Es gibt nur diese eine Welt, wirtschaftlich, ökologisch, sozial und
politisch. Und wir alle sind aufgefordert, daran zu arbeiten, diese eine
Welt menschenwürdiger zu gestalten, als wir das bisher vermochten.
Sicherlich stehen diesen Bemühungen massive Widerstände entgegen, globale
Egoismen sind deutlich erkennbar, Weltherrschaftsansprüche werden weiterhin
realisiert - aber es ist auch offenbar geworden, dass es keinerlei
Rückzugsgebiete mehr gibt, dass auch von den wirtschaftlich schwächeren
Regionen genügend Macht ausgeht, um an jedem Ort der Erde bestehende Systeme
von Grund auf zu erschüttern.
Vor über 30 Jahren wurde die Internationale Vereinigung der
Waldorfkindergärten mit dem Ziel begründet, überall auf der Welt
mitzuhelfen, dass eine freiheitliche Erziehung möglich wird, dass Pädagogen
ausgebildet werden können, um Kinder zu individuellen, freien und sozial
fähigen Menschen zu erziehen. Die Internationale Vereinigung hat darüber
hinaus die Aufgabe, Begegnungsmöglichkeiten auf Tagungen und Kongressen zu
schaffen, so dass Erzieher immer wieder in Erfahrungsaustausch treten und
sich weiterbilden können. Durch die Pflege dieser Zusammenarbeit entsteht
Stück für Stück Weltbewusstsein. |
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Aufbauarbeit in Südafrika
Eine Gesellschaft offenbart sich nirgendwo deutlicher als in der Art und
Weise, wie sie mit ihren Kindern umgeht. Unser Erfolg muss am Glück und
Wohlergehen unserer Kinder gemessen werden, die in einer jeden Gesellschaft
zugleich die verwundbarsten Bürger und deren größter Reichtum sind (Nelson
Mandela).
Obwohl das Ende des Apartheid-Systems in Südafrika viele positive
Veränderungen für die Menschen brachte, leben nach wie vor hunderttausende
Afrikaner in riesigen Elendsquartieren, den Townships. Am Rande von Kapstadt
gibt es einige dieser sozialen Brennpunkte, und hier arbeiten seit Jahren
Waldorfpädagogen aus Südafrika, den USA und den Niederlanden daran,
Afrikanerinnen aus den Town-ships pädagogisch auszubilden. Nach oder auch
schon während ihres Studiums am Kindergartenseminar in Kapstadt bauen diese
Frauen in den Elendsquartieren kleine Kindergärten auf, unterstützen und
beraten die Mütter dieser Kinder in pädagogischen und allgemeinen
Lebensfragen, sind Ansprechpartner in einer von Gewalt und Not beherrschten
Umgebung.
Die ökonomische Situation ist für viele, meist nicht oder nur schlecht
ausgebildete Afrikaner desolat; hinzu kommt noch, dass auch staatliche
Förderprogramme gekürzt werden oder ganz auslaufen.
Die Solidargemeinschaft der Kindergartenvereinigung wird, neben einer Reihe
von anderen Hilfsorganisationen und Stiftungen, für die nächsten drei Jahre
das Waldorfkindergarten-Seminar in Kapstadt finanziell unterstützen. |
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Waldorfkindergarten-Pädagogik in Südostasien
Im Oktober dieses Jahres ging in Manila/Philippinen ein dreijähriger
Ausbildungskurs für Waldorfkindergärtnerinnen zu Ende. 17 Erzieherinnen
haben ihn erfolgreich abgeschlossen. So können sich nun die drei Kindergartengruppen,
die der Waldorfschule in Manila angeschlossen sind, personell gut
weiterentwickeln: Zwei Eltern-Kind-Gruppen sind entstanden, und es
gibt von den ausgebildeten Erzieherinnen unterstützte Initiativen
in einer Nordprovinz und auf der Insel Sebu.
Diese erfolgreiche Arbeit in Manila hat sich herumgesprochen, und es besteht
sowohl in Katmandu/Nepal als auch in Bangkok/Thailand Interesse, in nächster
Zeit mit einer berufsbegleitenden Erzieher-Ausbildung zu beginnen.
Auf Taiwan werden seit Jahren waldorfpädagogische Kurse abgehalten, wobei
auch hier wie in den anderen südostasiatischen Ländern Dozenten aus
Australien, Groábritannien und Deutschland die Fachkräfte vor Ort
unterstützen. |
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In Seoul, Südkorea, arbeitet ebenfalls
solch ein internationales Kollegium mit kräftiger Begleitung eines
Dozenten aus Deutschland daran, Waldorferzieherinnen auszubilden,
seit kurzem sind dort sogar japanische Dozenten tätig, was alles andere
als selbstverständlich ist. Die spannungsreiche und tragische Geschichte
zwischen Japan und Südkorea hatte über viele Jahre hin eine gemeinsame
Arbeit verhindert; nun werden auch zwischen diesen beiden Ländern
Brücken geschlagen.
In Japan kennt man die Waldorf-Kindergartenpädagogik seit 35 Jahren.
Frau Hiroko Takahashi leistet auf diesem pädagogischen Feld bis heute
Pionierarbeit. Viele Gründungen von Waldorfkindergärten sind mit ihrer
Unterstützung erfolgt, sie initiierte eine Ausbildung für Erzieherinnen
und übersetzte bzw. verfasste waldorfpädagogische Literatur.
Seit vier Jahren bietet auch Frau Atsuko Morio in Yokohama
waldorfpädagogische Kurse an. Damit sind insgesamt gute Fundamente dafür
gelegt, dass die Waldorf-Kindergartenpädagogik sich weiter entwickeln kann.
Im Februar dieses Jahres fand in Tokyo die Gründungsversammlung der
japanischen Waldorf-Kindergartenvereinigung statt. 120 Menschen aus 42
Städten Japans nahmen daran teil. Sie kamen von allen vier Hauptinseln, von
Hokkaido im Norden, von Honshu, von Shikoku und von Kyushu im Süden.
Zur Zeit gibt es in Japan etwa 40 Waldorfkindergärten; eine japanische
Waldorf-Kindergartenvereinigung kann mit-helfen, dass Waldorfpädagogik sich
in diesem groáen Land weiter verbreitet. |
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Zehn Jahre Waldorf-Kindergartenpädagogik
in Russland Impulsgeber der pädagogischen Arbeit waren und sind die
beiden Erzieherseminare in Moskau und St. Petersburg. Während das
Seminar in St. Petersburg überwiegend in die Stadt an der Newa mit
sechs Millionen Einwohnern wirkt, reichen die Arbeitszusammenhänge
des Seminars in Moskau weit bis ins ferne Sibirien (Tomsk, Krasnojarsk,
Irkutsk), aber auch nach Litauen und in die Ukraine.
Zur Zeit arbeiten in Russland 70 Waldorfkindergärten, 80 Prozent davon
innerhalb von großen staatlichen Einrichtungen.
In mehrjährigen Bemühungen haben die Waldorfpädagogen in Russland in enger
Zusammenarbeit mit dem Moskauer Seminar einen methodisch-didaktischen
Leitfaden für den Waldorfkindergartenbereich in Russland entwickelt. Diesen
Leitfaden hat das russische Bildungsministerium nach eingehender Prüfung im
Mai 2001 offiziell anerkannt. Diese Anerkennung ist von wesentlicher
Bedeutung für die pädagogische Arbeit in Russland, hat aber auch positive
Auswirkungen auf andere Länder, zum Beispiel die Ukraine, Rumänien,
Moldavien, Litauen und Lettland. |
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Waldorfpädagogik in Litauen Im Vergleich
zu Russland ist Litauen ein geographischer Zwerg. Das Land ist etwa
so groß wie die Schweiz und hat vier Millionen Einwohner. Im August
1991 schaffte Litauen den Übergang zu einer Demokratie.
Schon fünf Jahre später, 1996, begann in Vilnius ein Waldorfkindergarten-Seminar
mit seiner Arbeit. Die Initiative dazu war von einer in Moskau ausgebildeten
Erzieherin ausgegangen. Sie baute das Seminar in den letzten Jahren
weiter aus; heute gehören ihm neben litauischen Dozenten auch Lehrer
aus Skandinavien, Estland, Russland und Deutschland an.
Unsere wichtigste Hilfe für dieses Land, ebenso wie für Russland, wird für
einige Zeit darin bestehen, die Reisekosten der Dozenten mit zu finanzieren
und zu helfen, dass pädagogische Literatur in die Landessprache übersetzt
und veröffentlicht werden kann. |
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Internationaler Kongress
in Südamerika
In den Ländern dieses riesigen Kontinentes gibt es seit vielen Jahren
waldorfpädagogische Einrichtungen, aber aufgrund der groáen Entfernungen
und der finanziellen Probleme ist es schwer, die Kontakte untereinander
zu pflegen. übernationale Zusammenkünfte der Erzieherinnen aus den
verschiedenen südamerikanischen Ländern sind deshalb für die Kindergartenbewegung
in Lateinamerika von besonderer Bedeutung. Bei dem Kongress mit dem
Thema "Der michaelische Impuls in der Pädagogik", zu dem
die Kindergärten und die Waldorfschule in Lima/Peru eingeladen hatten,
rechnete man mit rund 80 Teilnehmern, 180 Menschen kamen. |
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