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Kindheit pflegen - Zukunft gestalten

Pädagogische Fortbildung zur Förderung der Kinder von 0 bis 3 Jahren in Tageseinrichtungen, Tagespflege und KleinkindGruppen

Das Waldorfkindergartenseminar Stuttgart ist eine Ausbildungsstätte, die von der Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V. Deutschland getragen wird.
Hier werden Fortbildungskurse zum/zur Waldorferzieher/in angeboten, die sich an Menschen richten, die eine staatliche Ausbildung haben und sich in die Waldorfpädagogik einarbeiten wollen. Der Schwerpunkt der Aus- und Fortbildung lag bisher, auch an Fachschulen, auf dem Lebensalter der Kinder über drei Jahren.

Allerdings ist wie überall, auch in den Waldorfkindergärten zu beobachten, dass

- Kinder unter drei Jahren in normale Kindergartengruppen aufgenommen werden ohne Veränderungen des Konzepts zur Anpassung an die Bedürfnisse des Kleinstkindes

- Eltern vermehrt nach Betreuungsangeboten für immer jüngere Kinder nachfragen

- die politischen Rahmenbedingungen für eine rasche Wiederaufnahme der Berufstätigkeit mit Kind an die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen angepasst wurden

Innerhalb der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten hatte sich schon vor Jahren ein Arbeitskreis mit dem Schwerpunkt 0 bis 3 Jahre gebildet, der mit der medizinischen Sektion am Goetheanum zusammenarbeitet und internationale Kongresse zu diesem Thema veranstaltete.
Am zuletzt in Järna stattgefundenen Kongress "Von der Würde des kleinen Kindes" nahmen wir viele neue Erkenntnisse und Einsichten mit und auch das dringende Anliegen, eine Fortbildung in Stuttgart zu konzipieren, die sich an Menschen richten soll, die mit Kindern in der frühen Kindheit beruflich zu tun haben.

Die Wahrnehmung der besonderen Bedingungen, die das kleine Kind braucht, die aus der Menschenkunde Rudolf Steiners hervorgehen, aber auch aus Forschungsergebnissen der Wissenschaft, u.a. der Psychologie, der Pädagogik, der Gehirnforschung, machen es erforderlich, Menschen zu schulen, die mit dem kleinen Kind und seinen Eltern beruflich zu tun haben oder haben werden. Einen besonderen Impuls verfolgt das Pikler-Institut in Budapest, der für die kindliche Entwicklung sehr bedeutsam ist.

Die Wahrnehmungen, die ich durch meine berufliche Tätigkeit am Waldorfkindergartenseminar Stuttgart und als Regionalbetreuerin von Waldorfkindergärten in Praxisbesuchen machen konnte und die Beobachtungen in der allgemeinen Landschaft von Tagesbetreuung von Kindern, veranlassten uns zu der nachfolgenden Konzeption. In deren Verlaufsplanung entwickelte sich das Bestreben, die Erkenntnisse zu einer qualifizierten Fortbildung einem Menschenkreis zu eröffnen, der nicht nur auf Tätige in Waldorfeinrichtungen beschränkt sein soll, da für möglichst viele Kinder unser Konzept zum Tragen kommen soll.
D.h. wenn kleine Kinder ihre ersten Lebensjahre nicht nur in der wichtigen Beziehung bei Vater und Mutter, sondern auch in ergänzenden Beziehungen verbringen sollen, so sollten die Erkenntnisse der Waldorfpädagogik breit wirksam werden können. So entstand durch Kontakt zum Paritätischen Bildungswerk und zum Ipsum-Institut ein gemeinsames Konzept, das sich in den beteiligten Dozenten spiegelt.

"Unser Konzept, in Abstimmung mit den Kollegen "vom hof" in Niederursel erarbeitet sieht vor, dass die Fortbildung am Waldorfkindergartenseminar in Stuttgart jeweils im September beginnen soll. Dafür wird nach gründlicher Abwägung die erste Schulwoche in Baden-Württemberg gewählt, um erst danach mit den Aufnahmen neuer Kinder zu beginnen.
Die Fortbildung ist in 4 Blockwochen und 6 Wochenendveranstaltungen gegliedert. Die Blockwochen sollen zu einem vertiefenden Erkennen und Betrachten des Wesens des kleinen Kindes führen und in den beteiligten Menschen Veränderungsprozesse anregen.
Neben der Vermittlung von theoretischem Wissen nimmt die eigene künstlerische Tätigkeit der Teilnehmer einen wichtigen Anteil ein.
Ein roter Faden wird sich durch die gesamte Fortbildung ziehen. Er richtet sich an der Entwicklung der Fähigkeiten von Gehen - Sprechen - Denken aus. Diese entwickeln sich in den ersten drei Lebensjahren. Dabei sind die Gestaltung des Umfeldes und die Umgangsweise mit dem Kind von weit reichender Bedeutung für den Lebenslauf des Menschen.

Um überhaupt das Wesen des Kindes verstehen zu können, wird am Anfang die Vorgeburtlichkeit des Menschen innerhalb der Embryologie stehen, die dann über die Konzeption zur Embryonalzeit und zur Geburt hinführen wird. Ergänzt wird diese Auftaktwoche durch Erlebnisse in der Musik, der Farben, die in der praktischen Tätigkeit dann ihre Anwendung finden sollen.

Die nachfolgende Woche hat ihren Schwerpunkt in der Entwicklung dessen, was im ersten Lebensjahr passiert, welche Bedingungen der Erwerb des Gehens braucht. Hier soll vor allem auf die freie Entfaltung der Bewegungsentwicklung geschaut werden und ihre Metamorphose im Lebenslauf. Damit einher geht das Ziel ein neues Verständnis zu wecken für gesundheitsfördernde Pflege des Kindes im Sinne der Salutogenese. Konkret bedeutet das,

- wie muss die Pflege des Kindes gestaltet werden, dass das Kind sich angenommen fühlen kann

- wie können Verhältnisse geschaffen werden für die Entwicklung einer gesunden Beziehungsfähigkeit, trotz der Ergänzung der Erziehung und Betreuung im außerhäuslichen Umfeld

- Erkennung neuer Gesichtspunkte und deren Aufnahme in die Pflege des kleinen Kindes und die Gestaltung seiner Umgebung.

Im zweiten Lebensjahr stellt der Erwerb der Sprache einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt dar. Die Bedingungen, die der Erwachsene dafür braucht, um diese Fähigkeit gut zu verankern, stehen im Mittelpunkt der folgenden Blockwoche. Damit sollen die Teilnehmerinnen befähigt werden, die Wirkungen von Sprache auf den sich entwickelnden Menschen zu verstehen und in der Pflege des Kindes künstlerisch wirksam werden zu lassem.

Daran schließt sich für das dritte Lebensjahr als Schwerpunkt die Entwicklung des Denkens an, welche auf den vorangegangenen Entwicklungsschritten aufbaut. Die Bedeutung und Wichtigkeit von Rhythmus und Gewohnheit werden hier erarbeitet, grundsätzliche Kenntnisse über den Umgang mit kranken Kindern und ihre Pflege, und Aspekte der gesunden Ernährung sind Inhalte der dritten Blockwoche.
Die Entwicklung der Sinne und die Pflege der Sinnestätigkeit, Anregungen, Gestaltung einer fördernden Umgebung fließen danach in die Fortbildung ein.

Um über das Wesen des Kindes und seine Entwicklung Aussagen machen zu können, ist die Schulung der Beobachtung von Bedeutung. Nur über eine umfassende Wahrnehmung des Kindes in seinem Sein, kann der Erwachsene sinnvolle Unterstützung und Anregung geben.
Um Kinder mit Entwicklungsstörungen oder -beeinträchtigungen in Tagespflege oder Wiegestuben (Kinderkrippen) zu integrieren und angemessen zu fördern, binden wir in der Fortbildung auch diesen Aspekt ein.

Der Erwachsene, der mit Kindern arbeitet, sollte auf seinem Entwicklungsweg sich selbst erkennen können, dann erst kann er Beziehungen zu Kindern aufbauen, die im positiven Sinne professionell sein können. Biografiearbeit soll ermöglichen, die eigene Biografie zu entdecken, Erziehungsmuster zu überwinden und Selbstbildeprozesse anzuregen. Damit sollen neue Wege in der Erziehung und in der Selbsterziehung gegangen werden können.

Eltern und Tageseinrichtung verbindet ein gemeinsames Ziel:
Dem anvertrauten Kind die besten Bedingungen zu schaffen für seine gesunde Entwicklung. Eltern zu helfen, ihrer Elternaufgabe gerecht zu werden, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, steht unter der Überschrift:
Zusammenarbeit zum Wohl des Kindes.
Die eigene Haltung der Fachkräfte zu schulen soll innerhalb des dafür vorgesehenen Wochenendes veranlagt werden.

Nachdem immer früher und unkontrollierter die Medien in der öffentlichen Auseinandersetzung propagiert werden, ist es eine Aufgabe, die Wirkung von Medien zu erkennen und sich damit auseinander zu setzen. Damit kann in der Elternarbeit ein wichtiger Schwerpunkt gesetzt werden zur gesunden Entwicklung des Kindes. Dafür sollen jedoch die Entwicklung fördernde Medien, wie erzählte oder gespielte Geschichten, kennen gelernt werden.

Die Kenntnisse der gesetzlichen Rahmenbedingung sind erforderlich, um innerhalb dieses Rahmens freie pädagogische Arbeit aufzubauen, d.h. auch Waldorfeinrichtungen zu verändern oder neue Angebote einzurichten, um wirksam werden zu können. Einrichtungen - ob Tagespflege oder Tagesstätte - benötigen Grundlagen für eine gelingende Öffentlichkeitsarbeit.

Der Dozentenkreis verbindet Menschen, die in der Erwachsenenbildung Erfahrung gesammelt haben, bzw. selbst in unterschiedlicher Weise mit Kleinkindern arbeiten. In gemeinsamen Dozentenkonferenzen der beteiligten Dozenten wird immer wieder auf die Inhalte geschaut und evaluiert.

Die diesen Kurs leitenden Dozenten Frau Compani und Frau Weigle sind Mitglieder des deutschen Arbeitskreises Kleinkind "Fortbildung von 0-3 Jahren", der sich am Hof in Niederursel gebildet hat. Hier werden übergeordnete Gesichtspunkte erörtert und die Forschung über das Wesen des kleinen Kindes ausgetauscht. Ferner arbeitet dieser Kreis an den Anforderungen, die eine zeitgemäße Fortbildung auf diesem Feld erfordert. Der Arbeitskreis ist innerhalb der Vereinigung der Waldorfkindergärten Deutschland e.V. angesiedelt und steht in enger Verbindung mit dem Internationalen Arbeitskreis "Alliance for early childhood care".

Ein weiteres wichtiges Anliegen des Seminars ist die Beratung von Einrichtungen bei konzeptionellen Veränderungen zur Aufnahme von Kindern unter drei Jahren und die Begleitung der Fortbildungsteilnehmerinnnen.

Die Fortbildung ist innerhalb der Vereinigung der Waldorfkindergärten anerkannt und zertifiziert.

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