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"Hier sieht es so schön und gemütlich aus",
freuen sich Besucher, die zum ersten Mal einen Waldorfkindergarten betreten.
Andere irritiert die Idylle ein wenig, sie fragen eher besorgt: "Hier
wird eine heile Welt aufgebaut, werden die kleinen Kinder da nicht getäuscht,
draußen geht's doch ganz anders zu?" Oder die Besucher haben davon
gehört, die Waldorfpädagogik sei angeblich technikfeindlich, etwas weltfremd
oder gar unmodern. Unterschiedliche Sichtweisen, die ein Urteil gemeinsam
haben: Waldorfpädagogik scheint etwas Besonderes zu sein. Woran liegt
das?
Kinder kommen nicht als unbeschriebenes Blatt auf die Welt. Sie bringen
ihre Leiblichkeit mit und auch ihr eigenes Schicksal, ihre vielfältigen
Begabungen und vielleicht auch Aufgaben, die sie in dem vor ihnen liegenden
Leben verwirklichen wollen. Sie sind von Anfang an unverwechselbare Individualitäten,
die aber der Hilfe und Begleitung der Erwachsenen bedürfen, um sich selbst
und die Welt zu entdecken. Waldorferzieher übernehmen, gemeinsam mit den
Eltern, die Aufgabe, Kinder in ihrer frühen Lebensgestaltung zu begleiten.
Neben all ihren individuellen Begabungen und Fähigkeiten, und auch Handicaps,
die sie mitbringen, sind Kinder von Anfang an zutiefst neugierige Wesen
(später heißt das Forscher- oder Erkenntnisdrang). Sie beobachten ganz
genau, wie die Mutter sich verhält, wie sie kocht, läuft, ob sie lächelt
oder meist traurig dreinblickt, wie der Vater mit dem Kind spielt, ob
er ihm etwas erzählt oder ob der Fernseh-Babysitter ständig auf Draht
ist. So lernen Kinder nachahmend, sich und die Welt zu erfassen und zu
begreifen. In diesem Sinne ist das Wort von Novalis zu verstehen: "Der
Mensch lernt sein Menschsein nur am Menschen". Kinder erziehen zu
wollen schließt daher in der Waldorfpädagogik den selbsterteilten Auftrag
ein, als Pädagoge ein nachahmenswertes Vorbild zu werden.
Kinder gehen nicht zur Arbeit, ihre Arbeit ist das Spielen. Dabei entdecken
sie ihre eigene Körperlichkeit, Beschaffenheiten von Gegenständen und
Naturgesetzlichkeiten, sie entwickeln ihre Sinne, entfalten ihre Phantasiekräfte
und üben das soziale Miteinander. Zum Spielen brauchen sie Spielzeug,
Zeit und Raum. Aber welches Spielzeug ist gut, welches schlecht? Wie viel
Zeit sollte ein Kind am Tag spielend verbringen? Wie sollte ein Kinderzimmer
aussehen und wie besser nicht? Was kultiviert die kindliche Phantasie,
was wirkt schädigend? Für kritische und bewusste Pädagogen sind diese
Fragen nicht nebensächlich: Entscheiden doch die Antworten mit darüber,
ob und wie das Kind seine in ihm schlummernden Fähigkeiten entfalten und
entwickeln kann und wie der Erwachsene später mit den Anforderungen, die
das Leben an ihn stellt, fertig wird.
Kinder (und auch die Erwachsenen) brauchen Zuwendung und Liebe. Von Pestalozzi
stammt die Aufforderung: "Kinder brauchen Beispiel und Liebe - sonst
nichts!" Doch
Kinder zu lieben ist manchmal gar nicht so leicht, sie sind gelegentlich
frech, aggressiv und nervös. Solche Verhaltensweisen können auch Ausdruck
innerer Spannungen, Defizite oder Überforderungen sein. Erzieher sollten
dahinter schauen, ob das Kind nur eben mal etwas "aufmüpfig"
ist oder ob sich hinter solchen Auffälligkeiten etwas verbirgt, das pädagogisch
zu bearbeiten ist.
So leiden viele Kinder heute unter chronischem Bewegungsmangel - mit fatalen
Folgen. Haltungsschäden sind fast schon programmiert. Bewegungsmangel
wirkt sich aber nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die seelische
und geistige Entwicklung aus. Wer seinen Gleichgewichtssinn nicht entwickelt,
hat auch Probleme mit seiner seelischen Balance, Bewegungsstörungen korrespondieren
mit einer verzögerten Sprachentwicklung.
Eine beeinträchtigte Sinnesentwicklung behindert die Verstandesentwicklung,
behindert das Lernen. So liegt es auf der Hand, dass im Zentrum der Waldorfpädagogik
die
Pflege der menschlichen Sinne steht. Das schließt ein, sich auch kritisch
mit den Auswirkungen der modernen Medien auf die Entwicklung der Kinder
zu befassen; mit Technikfeindlichkeit hat das allerdings nichts zu tun.
Waldorfpädagogik versteht sich als eine Erziehung in und zur Freiheit,
was richtig verstanden immer nur bedeuten kann, sich als autonomer, weitgehend
sich selbst bestimmender Mensch in soziale Verantwortungen zu stellen.
Damit solche Freiheit auch bis in die sozialen Arbeitsstrukturen hinein
wirkt, sind die Waldorfkindergärten, Horte und Heime als sich selbst verwaltende
Einrichtungen organisiert, die ein partnerschaftliches Verhältnis zu den
Eltern üben.
Ebenso wie Freiheit entsteht auch Kindheit als ein Entwicklungsraum nicht
von selbst, sie ist heute in vielfältiger Weise gefährdet und muss immer
wieder aufs Neue geschaffen werden.
Kinder brauchen dazu ihre Erzieher, Menschen, die Freude an einem menschlichen
Beruf haben, der vielleicht sogar zur Berufung werden kann. Kinder und
Eltern brauchen Pädagogen, die gemeinsam mit ihnen für ein Menschenrecht
auf Kindheit eintreten.
Große Nachfrage
Die Berufsaussichten für Waldorfpädagogen sind ausgezeichnet, sowohl in
Deutschland als auch im Ausland. In Deutschland gibt es 500 Waldorfkindergärten
mit 20000 Kindern, weltweit sind es 1500 Waldorfkindergärten. Trotz zurückgehender
Geburtenrate sind die Waldorfkindergärten meist ausgebucht, zumal wenn
sie ein differenziertes Erziehungsangebot machen, das sich nicht auf das
Kindergartenalter beschränkt. So gibt es in waldorfpädagogischen Einrichtungen
Spielgruppen für ganz kleine Kinder, Eltern/Kind-Gruppen, Kindergärten
mit längeren Öffnungszeiten, integrative Kindergärten. Auch Schulhorte
und Heime sind Einsatzfelder für Waldorferzieher.
Ausbildungsgang
Vorraussetzungen:
a) Fachschulreife oder Mittlere Reife und erfolgreicher Abschluss
des Berufskollegs oder
b) Fachhochschulreife oder Abitur und ein (mindestens 2-monatiges) Praktikum
in einer waldorfpädagogischen Einrichtung (Kindergarten, Kleinkindgruppe
oder einem Hort).
Die Fachschulzeit dauert zwei Jahre, daran schließt sich ein Berufsanerkennungsjahr
an.
Schulbeitrag:
einmalige Aufnahmegebühr € 60,00
monatlicher Schulbeitrag € 150,00
im Anerkennungsjahr zu den 3 Kolloquien je 150 €
Die Ausbildung gliedert sich in drei Schwerpunkte:
Der wissenschaftsorientierte Unterricht:
Erziehungswissenschaft, Menschenkunde, Deutsch, Kinder- und Jugendliteratur,
Gesundheitslehre, Anthroposophie/ Philosophie u.a.
Der didaktisch/methodische Unterricht:
Praxis- und Methodenlehre, Spiel, Märchenerzählen, Handarbeit, Festgestaltung,
Elternarbeit, Gartenbau/Umwelterziehung u.a.
Der künstlerisch/sozialbildnerische Unterricht:
Sprachgestaltung, Eurythmie, Musik mit Chorsingen, Plastizieren, Malen,
Holzarbeit, Bothmergymnastik u.a.
Mehrwöchige Praktika stellen immer wieder die Verbindung zur pädagogischen
Praxis her.
Die Ausbildung an der Freien Fachschule für Sozialpädagogik - Waldorfkindergartenseminar
- in Stuttgart ist staatlich anerkannt, die Studierenden kommen aus verschiedenen
Ländern und bilden so eine internationale Arbeits- und Studiengemeinschaft.
Die Ausbildung an der Fachschule wird über BAföG und in Einzelfällen
auch von den Arbeitsämtern gefördert.
Die Berufsaussichten für Waldorferzieher/Innen und Waldorferzieher sind
ausgezeichnet. Trotz allgemeinem Geburtenrückgang kommen nach wie vor
viele Eltern auf die Waldorfpädagogik als einer sinnvollen pädagogischen
Alternative zu.
Das Aufgabenfeld ist weit gefächert. Es reicht von der Arbeit in Kleinkindgruppen
über den Kindergarten bis zu Schulhort oder Heim.
Bewerbung:
Folgende Unterlagen sind Ihrer Bewerbung beizufügen:
- tabellarischer Lebenslauf
- Motivation für den Erzieherberuf / die Waldorfpädagogik
- Kopie Ihres Abschlusszeugnisses
- Nachweis über eine mindestens 2-monatige Praxiszeiten in einem
Waldorfkindergarten
- drei Passbilder neuesten Datums
Ansprechpartner sind: Anne-Rose Steller und Monika Ley.
Anschrift:
Freie Fachschule für Sozialpädagogik
Heubergstr. 11
70188 Stuttgart
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